Fotoausstellung „Angefasst“ zum Ausleihen

Unter dem Titel „Angefasst“ benennt eine Fotoausstellung des Künstlers Andreas Groth das Geschehene – Grenzverletzung und Machtmissbrauch – und zugleich den Mut, dieses Thema sichtbar zu machen. Die Porträtierten treten nicht mit ihren Geschichten im Detail hervor, sondern mit prägnanten Worten: einem verdichteten Ausdruck ihrer Erfahrung, der Würde und Anerkennung einfordert. Ein Teil der Ausstellung kann bei der Stabsstelle Prävention, Intervention und Aufarbeitung (PIA) ausgeliehen werden.

„Angefasst“ entsteht im Rahmen von Groths Tätigkeit als empathischer Zeuge für die Betroffenenvertretung der Unabhängigen Aufarbeitungskommission (URAK) West . In den Rollup-Displays zeigt die Ausstellung Porträts von Menschen, die sexualisierte Gewalt im kirchlichen Kontext erfahren haben.

 

Dazu drei Fragen an den Künstler Andreas Groth:

Herr Groth, Ihre Fotoausstellung „Angefasst“ zeigt Porträts von Menschen, die sexualisierte Gewalt im kirchlichen Kontext erfahren haben. Wie ist es dazu gekommen?

Andreas Groth: Ich engagiere mich als Ansprechperson für die Sitzungen der Betroffenenvertretung des Verbundes West und für die URAK-West . Gemeinsam entstand die Idee erfahrenes Leid sichtbar zu machen und Raum für Betroffene zu eröffnen sich non-verbal zu öffnen. Ziel ist es, die Ausstellung „Angefasst“ als künstlerischen, theologischen und diakonischen Impuls erfahrbar zu machen. Sie eröffnet einen Raum, in dem Geschichten sichtbar werden, die lange im Verborgenen geblieben sind, und lädt dazu ein, hinzusehen, zuzuhören und miteinander ins Gespräch zu kommen. Im Zentrum steht die Frage, wie Kirche und Diakonie Menschen begegnen, deren Lebenswege von Verletzung, Beschämung oder Unsichtbarkeit geprägt wurden.

Die Ausstellung versteht sich dabei nicht nur als Ort der Erinnerung, sondern auch als Ausdruck des Auftrags von Kirchengemeinden, den Glauben glaubwürdig zu verkündigen und Verantwortung für die eigene kirchliche und diakonische Geschichte zu übernehmen. Gerade die ehrliche Auseinandersetzung mit erfahrenem Leid eröffnet die Möglichkeit, Vertrauen neu zu stärken und Wege für ein achtsameres Miteinander in der Zukunft zu gestalten. Bundesweit erreicht „Angefasst“ Menschen in sehr unterschiedlichen Lebenszusammenhängen und macht deutlich, dass Kirche und Diakonie bereit sind, zuzuhören, Verantwortung zu tragen und aus ihrer Geschichte heraus neue Formen von Aufmerksamkeit, Respekt und Fürsorge zu entwickeln.

 

Ist das Projekt abgeschlossen oder soll es weiter wachsen?

Groth: Das Projekt lädt dazu ein, dass auch gemeinsam mit Betroffenen weiter an Motiven gearbeitet wird. So wird es im Rahmen der aktuellen Foren für Betroffene die Möglichkeit geben, gemeinsam weitere Bilder zu gestalten.

 

Sie kooperieren mittlerweile mit dem Verbund West (rheinische, westfälische und lippische Landeskirche sowie deren gemeinsame Diakonie). Wie wirkt sich das aus, auch mit Blick auf Ausstellungsmöglichkeiten?

Groth: Die Ausstellung ist aus meiner Arbeit für den Verbund West heraus entstanden, verfolgt jedoch von Beginn an das Ziel, weit über die Grenzen kirchlicher Räume hinaus sichtbar zu werden. Als künstlerisches Projekt versteht sich „Angefasst“ als Einladung zum Hinsehen, Zuhören und zum Gespräch – nicht nur innerhalb von Kirche und Diakonie, sondern mitten in der Gesellschaft. Deshalb war und ist es mir wichtig, die Bilder an möglichst unterschiedlichen, leicht zugänglichen Orten zu zeigen und so eine breite, niederschwellige Erreichbarkeit zu schaffen.

Die bisherigen Ausstellungen wurden durch den Verbund West unterstützt und einer größeren Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Darüber hinaus haben Menschen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen und medialen Kontexten das Projekt aufgegriffen und weitergetragen. Ein besonderes Anliegen ist es, Menschen dort zu erreichen, wo sie sich aufhalten und miteinander ins Gespräch kommen. Deshalb wird parallel zum Deutschen Evangelischen Kirchentag in Düsseldorf 2027 eine Ausstellung im Bilker Bunker gezeigt – einem frei zugänglichen Ort, der bewusst auch denjenigen einen geschützten Zugang eröffnet, die das Kirchentagsgelände und -räume selbst nicht aufsuchen möchten.

Die Fotografien sollen nicht nur gesehen werden, sondern Begegnungen ermöglichen, Berührungsängste abbauen und Gespräche über Verantwortung, Aufarbeitung, Glaubwürdigkeit sowie die Rolle von Kirche und Diakonie in unserer Gesellschaft anstoßen. Aus meiner Sicht gerade heute extrem wichtig, denn für mich bleiben Kirchen und diakonische Angebote ein wichtiger und richtiger Baustein für unsere Demokratie.

 

„Angefasst“-Displays zum Ausleihen

„Angefasst“ versteht sich als Teil einer Erinnerungskultur, die das Erlebte nicht abschließt, sondern weiterträgt. Sie lädt zum Diskurs ein und kann eine gute Grundlage sein, das Geschehene in christlicher Verantwortung zu reflektieren. Acht der Werke von Andreas Groth stellt die Stabsstelle PIA auf Rollup-Displays (ca. 80 x 200 cm) zur je vierwöchigen Ausleihe für rheinische Kirchenkreise und Gemeinden zur Verfügung. Ansprechpartnerin ist Jaqueline Cremer, pia@ekir.de, Telefon 0211 4562-397.