Prävention sexualisierter Gewalt: Auch elf neue Multiplikator*innen sorgen für sichere Sommerferien

  • Jens Peter Iven
  • Marcel Kuß

Wenn in diesem Sommer wieder tausende Kinder und Jugendliche auf Freizeiten mit Kirchengemeinden und diakonischen Anbietern fahren, dann sind nicht nur Spaß und Abenteuer garantiert: Alle Mitarbeitenden, die die Freizeiten leiten und begleiten, haben an Präventionsschulungen zum Thema Sexualisierte Gewalt teilgenommen. So schaffen sie bei den Ferienangeboten einen sicheren Rahmen.

In der Evangelischen Kirche im Rheinland müssen alle Mitarbeitenden – berufliche wie ehren amtliche – in regelmäßigen Abständen an einer Fortbildung zur Prävention sexualisierter Gewalt teilnehmen. Das ist im Kirchengesetz zum Schutz vor sexualisierter Gewalt festgelegt. Dafür, dass alle ehrenamtlich und beruflich Mitarbeitenden entsprechend geschult werden, sorgen sogenannte Multiplikator*innen. Diese führen in den 34 Kirchenkreisen zwischen Emmerich und Saarbrücken die Schulungen durch. Sie geben unter anderem den Begleitungen der Ferienfreizeiten und der lokalen Ferienangebote das nötige Wissen für den angemessenen Umgang mit Nähe und Distanz mit.

Fragen von Nähe und Distanz

Gerade endete eine viertägige Multiplikator*innen-Schulung für elf neue Multiplikator*innen, die von der landeskirchlichen Stabsstelle Prävention, Intervention und Aufarbeitung, kurz PIA, durchgeführt wurde. Die elf Teilnehmenden erhielten das nötige Rüstzeug, um Mitarbeitende der Gemeinden und Kirchenkreise für das Thema sexualisierte Gewalt zu sensibilisieren. „Dazu gehören Themen wie Nähe und Distanz, Betroffenensensibilität, Wissen um Täter*innen-Strategien, sowie die Vermittlung von Interventionswegen und Präventionsmaßnahmen“, so Daniel Lünenschloß von der Stabsstelle, der gemeinsam mit Nicole Seidenstücker für die Multiplikator*innen-Schulung zuständig war. Geschult werden müssen übrigens nicht nur Menschen, die in der Kinder- und Jugendarbeit aktiv sind, sondern auch die, die zum Beispiel in der Seniorenarbeit mitwirken, als Presbyter*innen Gemeinden leiten oder den Gemeindebrief austeilen. Durch die Schulung aller Mitarbeitenden soll sichergestellt werden, dass eine Kultur der Achtsamkeit rund um das Thema Sexualisierte Gewalt und der Aufmerksamkeit für die anvertrauten Menschen überall in der kirchlichen Arbeit gelebt wird.

Multiplikator*innen brauchen ein gutes Gespür

„Neben den Schulungsinhalten nach dem Material „hinschauen – helfen – handeln“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist es uns auch wichtig, dass die Multiplikator*innen für dieses wichtige Handlungsfeld sensibilisiert werden und wissen, wie sie gerade auch die emotionalen Themen methodisch und didaktisch gut aufbereiten können“, erläutert Daniel Lünenschloß. Bisher gab es in der rheinischen Kirche 2373 Schulungen mit 28.807 Teilnehmenden (Stand 31. Dezember 2025). Weitere, statistisch nicht erfasste Schulungen wurden und werden auf der Basis anderer Konzepte durchgeführt. „Von den Multiplikator*innen wird viel verlangt“, sagt der Präventionsfachmann: „Sie müssen nicht nur den kirchenrechtlichen Rahmen und die Schulungsinhalte kennen. Sie brauchen auch ein gutes Gespür für die von ihnen zu schulende Gruppe.“ Denn, auch das gehört zur kirchlichen Wirklichkeit, manchmal gibt es auch Widerstände bei Teilnehmenden, die nicht recht von der Bedeutung des Themas überzeugt sind. Aber auch ihnen wird im Rahmen der Präventionsschulungen schnell klar: „Als evangelische Kirche ist es uns wichtig, sichere Räume zu schaffen. Dies setzt voraus, sich mit potenziellen Risiken zu beschäftigen“, macht Lünenschloß deutlich. „Das Hören auf das eigene Bauchgefühl und die ,richtige Brille‘, helfen enorm, um Taten rechtzeitig zu erkennen und bestenfalls verhindern zu können.“ Daran arbeiten jetzt elf neue Multiplikator*innen – elf von 414 in der Evangelischen Kirche im Rheinland.